Interview 

 

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?
Bis dahin eher dem geschriebenen Wort zugetan, bin ich nicht zur Malerei gekommen, sondern sie an einem frühen Sonntagmorgen in 2006 zu mir. Ganz und gar unerwartet betrat sie mein Leben und verwickelte mich in eine Art Zwiegespräch, dass bis heute kein Ende nehmen will. Seither betreten wir gemeinsam immer wieder neue "Räume".
Was inspiriert Sie?
Was mich inspiriert sind Wahrnehmungen, Zustände und Emotionen, die Möglichkeiten und Grenzen des Materials sowie das Zusammenspiel mit Natur und dem Zufälligen, das mich immer wieder herausfordert und mir dabei verdeutlicht, das ich nur Teil des Prozesses bin.
Wo entstehen Ihre Kunstwerke?
Die Bildskizzen entstehen zunächst im Kopf. Anschließend versuche ich ihnen in meinem Atellier am Rande Berlins "Gestalt" zu verleihen und sie so zum Leben zu erwecken.
Wie haben Sie Ihr künstlerisches Handwerk gelernt?
Indem sie mich seit 2006 regelmäßig herausfordert, mich ihr Schritt um Schritt zu nähern, um ihre Möglichkeiten zu erkennen und diese zu gestalten, habe ich die Malerei aus mir und dem Dialog mit ihr heraus gelernt. Dieser "leidenschaftliche" und "abenteuerliche" Lern-Prozess der Annäherung ist Grundlage meines Schaffens.
Was ist für Sie das Wichtigste, das jemals jemand über eines Ihrer Kunstwerke gesagt oder geschrieben hat?
Wann immer ich das Bild anschaue, entdecke ich es aufs Neue. Das ist es was mich fasziniert und drängt, es immer wieder zu betrachten und zu ergründen.
Warum machen Sie Kunst?
Weil ich nicht anders kann und das Komponieren mit Farbe und Material etwas "Lebendiges" birgt, dass sich mit meiner Hilfe immer wieder neu zu erfinden scheint.
Welche Techniken bevorzugen Sie und warum?
Da sich das Material recht bereitwillig und vergleichsweise schnell verarbeiten lässt, benutze ich bislang vorrangig Acrylfarben auf Leinwand. Perspektivisch ist aber auch das Arbeiten mit Öl und anderen Untergründen denkbar.
Wie lange brauchen Sie in der Regel für ein Kunstwerk?
Manche Bilder entstehen an einem Tag. Bilder mit mehreren Farbschichten und komplexerem Aufbau benötigen hingegen mehrere Tage oder Wochen bis zu ihrer Fertigstellung. Und schließlich sind da noch die "Spröden", die ich über Wochen oder gar Monate "locken" und "abringen" muss, und die sich nicht selten vollends verweigern.
Gibt es Menschen, die Ihre Kunst beeinflusst haben?
Es gibt in meinem Leben neben vielen anderen Einflüssen ganz unzweifelhaft zwei große Künstler, die mich nachhaltig und immer wieder aufs Neue inspirieren. Auf der Autorenseite ist dies Max Frisch und auf der Malerseite Gerhard Richter
Welche Ziel verfolgen Sie mit Ihrer Malerei und was hat das mit Ihnen zu tun?

Malerei ist für mich eine Art Zwiegespräch auf der Suche nach dem "einen Ausdruck", der aufnimmt und trägt. In Anlehnung an die Musik bedeutet sie ein lebendiges und abstrahierendes Komponieren von Impressionen, Inspirationen und Zuständen mittels komplexer und vielschichtiger Farben, Formen und Strukturen. Ähnlich der Musik, wo alle das Gleiche hören und doch oftmals so unterschiedlich berührt werden, sollen die Arbeiten thematisch inspirieren, den Betrachter dadurch aber nicht vollständig vereinnahmen oder beschränken, sondern Sie/Ihn motivieren, sich dem Bild zu nähern und eine Beziehung dazu aufzubauen. Durch diese aktive Beteiligung und Spiegelung entstehen - wenn es gelingt – oftmals spannende und individuelle Assoziationen, die dem Bild zusätzlich Identität verleihen und so den Betrachter selbst zu einem Teil des lebendigen Kunstwerkes werden lassen.

 

Was das alles mit mir zu tun hat?

Ich habe offengestanden keine Ahnung. Gleichwohl male ich seit 2006 als gäbe es nichts Wichtigeres und dabei mit einer Intensität und einem kreativen Maß, dass mich zuweilen selbst ein wenig sprachlos macht. Dabei habe ich jedoch weder eine Vorstellung, wo diese bis dahin gänzlich ungahnte Leidenschaft herkommt noch wo sie hinführt oder wann sie endet.

 

 

 

Hans - Jürgen Uekötter